Von Betonköpfen auf Holzwegen

Veröffentlicht am 21.12.2011 in Pressemitteilungen
Jusos kritisieren CDU-Gemeinderatsfraktion

Der Heidenheimer SPD-Nachwuchs kritisiert die Positionen der CDU-Fraktion in Bezug auf die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule in Heidenheim. „Wir waren uns nicht sicher, ob wir überhaupt auf die nicht nachvollziehbaren Thesen, die Uwe Wiedmann und Horst Neugart für ihre Fraktion in die Welt gesetzt haben, reagieren sollten, da wir sie nicht noch aufwerten wollten,“ meinte Juso Kreissprecher Michael Singer, „die zum Teil verbreiteten falschen Tatsachen zwingen uns jedoch dazu, uns öffentlich zu Wort zu melden.“


Die Kreisjusos kritisierten Uwe Wiedmanns Verlautbarung, dass Bildungspolitik nicht Aufgabe der Kommunen, sondern des Landes sei. Hingegen seien die Bedürfnisse vor Ort so unterschiedlich, dass dezentrale Lösungen gefunden werden müssten. Der Kreisverband begrüßte es, dass die neue Landesregierung auch zu diesem Schluss gekommen sei und nicht länger Stuttgarter Bürokraten die vielen guten Ideen vor Ort blockierten. Was zentralistische Reformen alles schlechter machen könnten, habe die Landes-CDU durch Einführung der Werkrealschule schließlich bewiesen. Michael Singer meinte dazu: „Wo kann man denn besser die jeweiligen Bedürfnisse erkennen, als hier vor Ort?

Dass sich das dreigliedrige Schulsystem bewährt habe, wie CDU-Stadtrat Horst Neugart verbreitete, ist falsch. Den ersten Platz in Deutschland nehme in Vergleichsstudien das Land Sachsen ein, welches nicht über ein dreigliedriges System verfüge. Baden-Württemberg sei nur in einer Statistik spitze: Derjenigen der sozialen Selektion! In keiner anderen Region ganz Europas hänge der schulische Erfolg der Kinder so stark vom Geldbeutel der Eltern ab, wie im Ländle. Die Chance eines Kindes aus einer Familie, in der beide Elternteile kein Abitur hätten, die Hochschulreife zu erreichen, sei bei gleichen Voraussetzungen um ein sechsfaches niedriger als die Chance eines Kindes, dessen Eltern beide einen universitären Abschluss hätten. Für Sozialdemokraten, die dem Ideal des Aufstiegs durch Bildung verhaftet sei, sei dieser Zustand ein unhaltbarer Skandal. Alle wissenschaftlichen Studien zeigten eindeutig, dass sich die Unterstützer der Dreigliedrigkeit auf dem Holzweg befänden.

Wäre das dreigliedrige Schulsystem wirklich so ein Erfolgsmodell, so hätte es sich international durchgesetzt. Stattdessen gebe es weltweit nur siebzehn Länder, in denen Kinder unter zehn Jahren auf verschiedene Schulsysteme verteilt würden – und von diesen lägen sechzehn in Deutschland. „Das dreigliedrige Schulsystem ist niemals ein großer Wurf gewesen, sondern es handelt sich dabei um einen reinen Kompromiss zwischen Demokraten und Monarchisten zu Beginn der Weimarer Republik,“ so der Juso-Kreissprecher und Historiker Christian Heinrich. Überhaupt habe Baden-Württemberg kein dreigliedriges Schulsystem, sondern mit beruflichen Gymnasium, Gymnasium, Realschule, der durch die alte Landesregierung eingeführten Werkrealschule, Hauptschule und Förderschule ein sechsgliedriges. Da muss wohl der CDU-Stadtrat Neugart noch ein wenig in Bildungspolitik nachsitzen.

Nach Erachten der Kreisjusos ist das dreigliedrige Schulsystem das letzte Merkmal der CDU, das nach Wegfall der Atomkraftbefürwortung und der Ablehnung eines Mindestlohns noch besteht, weshalb sich die Heidenheimer CDU-Fraktion so verbissen an diesen Strohhalm klammert. Doch gerade in diesem Punkt sei ein Umdenken dringend vonnöten: „Wer bei diesem Thema Beton im Kopf hat, wird geistig nur schwer von der Stelle kommen!“ meint Christian Heinrich.

Die Gemeinschaftsschule werde sich auch in Heidenheim letztendlich durchsetzten, die Kreisjusos gehen von einem großen Erfolg der neuen Friedrich-Voith-Schule aus und begrüßen ausdrücklich, dass die Bildungsstadt Heidenheim als profilierte Schulstadt versuche, eine der ersten Städte im Land mit Gemeinschaftsschule zu sein. Lassen wir die Eltern und Schüler mit den Füßen abstimmen.
 
 
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