Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW und die SPD Heidenheim luden vergangenen Mittwoch zum Film „Treibhäuser der Zukunft“ von Reinhard Kahl mit anschließender Diskussion mit dem Reformpädagogen Otto Herz ins Capitol ein.
Dankenswerterweise hat der Kinobesitzer Schweizer für interessierte Eltern, Schüler, Lehrer und Kommunalpolitiker den größten Kinosaal samt Equipment zur Verfügung gestellt.
Die Jusos des Kreisverbands Heidenheim überzeugten sich dabei von der Wichtigkeit und Bedeutung einer guten Schule. „Es ist schade, dass diese Veranstaltung bei Schülern nicht auf besonders großes Interesse gestoßen ist, da gerade diese von einer besseren „Stoffvermittlung" an der Schule profitieren würden!“ meinte Sven Hassler, Kreisvorsitzender der Jusos.
Inhaltlich lässt der Film den Zuschauer in einer wohl einmaligen Dokumentation erleben, wie es in Deutschland gelingt, dass Schulen zu besonderen Lebensorten werden. Gezeigt wird das Leben, Arbeiten und Lernen an der Bodensee-Schule und an der Montessori-Gesamtschule. An diesen Ganztagsschulen ist das große Engagement der Lehrkräfte und der Eltern besonders hervorzuheben. Jede Schule findet eine eigene Antwort auf die Frage nach neuen pädagogischen Wegen und dient nicht mehr nur als reine „Wissensvermittlungsanstalten“, sondern als fast familiäre Einrichtung, in der Kinder respektiert werden und sich wohl fühlen. Die Verschiedenheit der Kinder wird anerkannt und Gemeinschaft wird kultiviert. Die Schüler sind begeistert und sind begierig nach Wissen. Der Schwerpunkt dieser Pädagogik ist die Einzigartigkeit des Kindes, welches an den meisten Schulen durch das einheitliche Vermitteln des Lernstoffes nicht gefördert wird. In der anschließenden Diskussion erläuterte Otto Herz die drei wichtigen Hauptaufgaben. Zum einen soll das Kind das Zusammenleben lernen. Die Familie und die Schule sollen ein vernünftiges Miteinander vermitteln. Desweiteren ist eine Aufgabe, Lernen als gute Erfahrung zu erleben. Gute Erfahrung heißt, mit Herausforderungen zurecht zu kommen, Widerstand leisten zu können und nicht dabei unterzugehen. Die dritte Aufgabe der Schule ist es, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler möglichst viel intelligentes Wissen und intelligente Fähigkeiten erwerben. Intelligent ist ein Wissen und Können, wenn es weiterhilft, wenn die Aufgabe nicht mehr durch Routine gelöst werden kann. Bundestagskandidatin Claudia Sünder und der SPD-Kreisvorsitzende Andreas Stoch meinten unisono, dass die Enttabuisierung der Schulstrukturdebatte ein Hauptanliegen der SPD im Lande sei. Die extreme Abhängigkeit der Bildung von Geldbeutel der Eltern würde durch die Viergliedrigkeit der Schulen in Baden-Württemberg begünstigt. Der GEW Kreisvorsitzende Gerhard Oberlader meinte nicht nur aus pädagogischen, sondern auch aus gesellschaftliche Gründen wäre die Schule der Zukunft eine „Schule für alle“. Schule sei dann der einzige Ort, an dem junge Menschen unnabhängig von der Herkunft zusammenkämen, Schule als Institution gegen die Spaltung der Gesellschaft.
Die Kreisjusos kritisieren, dass die Landesregierung immer noch an den veralteten Schulstrukturen festhält, obwohl die beeindruckenden Beispiele zeigen, dass es auch andere Wege gibt. „Diese Schulen zeigen uns, dass nicht nur die skandinavischen Länder ein innovatives Bildungssystem besitzen!" folgerte Sven Hassler.
Die Jusos beschlossen daraufhin im Rahmen der Kampagne „Jusos vor Ort“ sich mit dem Thema Bildung noch intensiver zu beschäftigen.
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